
Denon DJ hat mit dem PRIME 4 G2 den Nachfolger des seit 2019 erhältlichen Standalone-Controllers Prime 4 und seiner 2023er Auffrischung Prime 4+ vorgestellt. Der vierkanalige Standalone-Controller kommt in einem neuen Design, mit deutlich mehr Rechenleistung und einer langen Liste neuer Funktionen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 2.699,99 Euro, damit ist er nur geringfügig teurer als das Vorgängermodell zum Marktstart. Erhältlich ist der PRIME 4 G2 seit dem 1. September 2026 im Fachhandel, alle Angaben in diesem Beitrag stammen aus der offiziellen Produktseite von Denon DJ und dem Pressematerial zum Start.
Vierfache Rechenleistung: Warum der neue Prozessor die wichtigste Neuerung ist
Unter der Haube arbeitet jetzt ein 8-Core-ARM-Prozessor mit 4 GB Arbeitsspeicher. Denon DJ spricht von der vierfachen Rechenleistung gegenüber dem ersten Prime 4. Das klingt nach einer trockenen Zahl, ist aber der Kern des Updates. Seit 2019 hat Denon DJ dem Prime 4 und dem Prime 4+ per Engine-DJ-Update unzählige Funktionen nachgereicht, ohne dass sich am Chip etwas geändert hätte: WLAN und Streaming direkt auf der Hardware, Cloud-Metadaten, Track-Vorschau, ZonePlay, flexible Beatgrids, Engine Lighting mit SoundSwitch, Ableton Link, Sampler-Pads, Touch FX, 18 neue oder überarbeitete Haupteffekte, Fuzzy Key Search, Bluetooth-Audio in beide Richtungen, Smart Headphone Cue, RGB-Multicolor-Wellenformen und zuletzt Stems. Irgendwann ist ein Prozessor mit so vielen Aufgaben am Ende seiner Möglichkeiten. Genau hier setzt der G2 an: Stems werden jetzt in Echtzeit auf dem Gerät gerechnet, bisher mussten Tracks dafür am Rechner vorgerendert werden.
Display, Jogwheels und Stems

Der PRIME 4 G2 arbeitet mit einem 10,1 Zoll großen HD-Multitouch-Display (1280 mal 800 Pixel) mit Gestensteuerung und Neigungsoptionen. Neu sind vollformatige 8-Zoll-Jogwheels mit hochauflösenden Displays, jeweils umgeben von einem RGB-LED-Ring mit 60 Leuchtdioden. Beim Prime 4+ waren die Jogwheels 6 Zoll groß, der Unterschied ist beim Scratchen und bei Pitch-Bends sofort spürbar. Die Stem-Trennung ist über eigene Bedienelemente direkt auf der Oberfläche zugänglich: Dafür gibt es dedizierte Taster für Instant Acapella und Instrumental, einen eigenen Stems-Pad-Modus auf den Performance-Pads sowie einen Stem Level EQ, mit dem sich Vocals, Bass, Drums und Melodie einzeln im Pegel regeln lassen.
Performance-Pads und Effekte

Die als Multi-Zone-MPCe bezeichneten Performance-Pads sind anschlag- und druckempfindlich und erkennen über eine 3D-Sensorik, wo auf dem Pad der Finger liegt. Denon DJ nennt sie die ersten Multi-Zone-Pads auf einem Standalone-System. Daraus ergeben sich Modi, die es so bisher nicht gab, darunter XY Filter Roll, Auto Loop Stems, Hot Cue Stems, Hot Cue Roll, XY FX und Roll FX. Hinzu kommt eine Lichtsteuerung über fünf Pad-Seiten: Performance-Overrides, Farb- und Positions-Overrides, Autoloop-Bank- und Wiedergabesteuerung, 32 Autoloops sowie 32 statische Looks, jeweils umschaltbar über die Parametertasten.

Auf der Effektseite gibt es zwei dynamische interne Main-FX-Module mit mehr als 25 Effekten und neuen Paddles, die man sonst nur von Battle-Mixern oder beispielsweise dem RANE System One kennt. Dazu kommen zehn reaktive Touch-FX-Effekte mit Latch-Funktion, vier Fader FX für Übergänge sowie vier Instant Sweep FX. Insgesamt sind damit über 40 Effekte an Bord. Für SoundSwitch gibt es jetzt einen eigenen 3-poligen DMX-Ausgang mit einem Universum (512 Kanäle), ein USB-zu-DMX-Adapter wird also nicht mehr benötigt.

Die Navigation erfolgt über einen Joycoder plus einfache Navigationstasten, dazu kommen drei Playlist-Banks, zwischen denen sich mit einem Tastendruck wechseln lässt. Zwei Mikrofoneingänge (XLR-Klinke-Kombibuchsen) sind mit EQ, Echo- und Reverb-Effekten, Talkover und neu auch mit einer Anti-Feedback-Funktion ausgestattet.
Ausgangsseitig stehen Main, Zone und Booth jeweils als XLR mit eigenem 10-Band-Software-EQ bereit. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man in einer Location ist, in der es Probleme mit Bassfrequenzen gibt. Mit dem neuen EQ kann man gezielt einzelne Frequenzen absenken, ohne den Mix selbst anzufassen. Neu ist außerdem ein eigenes Cue- und VU-Meter für den Zone-Ausgang.
Anschlüsse, Streaming und Klang
Bei den Anschlüssen hat Denon DJ nachgelegt. Drei USB-Ports stehen bereit: einmal USB-C (USB 2.0), einmal USB-A 2.0 und einmal USB-A 3.0, dazu ein SD-Kartenslot und der Schacht für eine interne SATA-Festplatte. Die Kanäle 3 und 4 nehmen weiterhin Phono- oder Line-Signale über Cinch entgegen, Kopfhörer lassen sich über 6,3-Millimeter- und 3,5-Millimeter-Klinke anschließen. Drahtlos funkt der G2 mit Wi-Fi 5 im 2,4- und 5-GHz-Band sowie Bluetooth 5.4. Als Streaming-Dienste werden Apple Music, Amazon Music, TIDAL, Beatport, Beatsource, SoundCloud Go+ und Dropbox unterstützt, Ableton Link ist ebenfalls an Bord. Für die Wandlung sorgt ein ESS ES9017S mit 32 Bit, der Main-Ausgang liefert bis zu +20 dBu bei einem Dynamikumfang von bis zu 119 dB.

Neu entwickelte Fader
Hervorzuheben sind auch die neuen Kanalfader und der neue Crossfader. Die Fader haben 45 Millimeter Weg, eine kontrollierte Bedienkraft von 16 bis 30 Gramm und sind für 500.000 Betätigungszyklen ausgelegt. Sie haben eine geringe Schieberausch-Spezifikation, ein Dual-Gang-Design für gleichmäßige Stereo-Kanaltrennung und wurden mechanisch auf Zug-, Druck- und Seitenbelastung der Fader-Hebel geprüft. Wer den Prime 4 im mobilen Einsatz kennt, weiß, dass die Fader dort die am stärksten beanspruchten Bauteile sind.
OmniSource: Standalone und Software in einem Mix
Mit OmniSource kündigt Denon DJ eine neue Architektur an, die zum Start noch nicht freigeschaltet ist. Sie soll es erlauben, Titel aus verschiedenen Quellen in einem Mix zu kombinieren: Standalone-Medien wie USB-Stick oder SD-Karte auf der einen Seite, eine DJ-Software auf dem angeschlossenen Rechner auf der anderen. Angekündigt sind Serato DJ Pro, VirtualDJ und Algoriddim djay. Bis dahin läuft der G2 wie gewohnt standalone unter Engine OS.
Prime 4+ und PRIME 4 G2 im Vergleich
| Merkmal | Prime 4+ | PRIME 4 G2 |
|---|---|---|
| Prozessor | Quad-Core | 8-Core ARM, 4 GB RAM |
| Display | 10,1 Zoll HD Multitouch | 10,1 Zoll HD Multitouch mit Gesten |
| Jogwheels | 6 Zoll | 8 Zoll mit Display und LED-Ring |
| Stems | am Rechner vorgerendert | Echtzeit auf dem Gerät, eigene Taster |
| Performance-Pads | 16 Pads | 16 MPCe-Pads, Multi-Zone, druckempfindlich |
| Effekte | 26 Main FX | über 40 (Main, Touch, Fader, Sweep), FX-Paddles |
| DMX | über USB-Adapter | 3-poliger DMX-Ausgang eingebaut |
| Mikrofon | 2 Kanäle, EQ | 2 Kanäle, EQ, Echo, Reverb, Anti-Feedback |
| USB | USB-A | USB-C, USB-A 2.0, USB-A 3.0 |
| Ausgangs-EQ | nein | 10-Band-EQ für Main, Booth und Zone |
| Gewicht | 9,7 kg | 9,9 kg |
Was sich gegenüber dem Vorgänger ändert
Als Neuerungen gegenüber dem Vorgängermodell fallen vor allem folgende Punkte ins Auge: deutlich größere Jogwheels, eigenständige Stem-Bedienelemente, FX-Paddles, Fader FX, Mikrofon-Feedback-Unterdrückung, Favorite FX, mehr Ein-Tasten-Bedienelemente, Cue- und VU-Meter für den Zone-Ausgang, die als OmniSource bezeichnete erweiterte Konnektivität, die vierfache Prozessorleistung, Playlist-Banken, Mikrofoneffekte, Multi-Zone-Pads, Joycoder-Navigation, die neuen Premium-Fader, ein 10-Band-Software-EQ für Main, Booth und Zone, eine DMX-Schnittstelle sowie USB-C.
Der PRIME 4 G2 fällt gegenüber dem Vorgänger 3,2 Zentimeter breiter und 1,4 Zentimeter tiefer aus und wiegt mit 9,9 Kilogramm rund 200 Gramm mehr.
Was das für mobile DJs bedeutet
Für Hochzeits-, Event- und Mobil-DJs, also den Großteil unserer Mitglieder, sind drei Punkte entscheidender als jede Effektliste. Erstens die Lichtsteuerung: Wer bisher SoundSwitch über einen USB-DMX-Adapter betrieben hat, spart ab jetzt ein Kabel, ein Netzteil und eine Fehlerquelle beim Aufbau. Zweitens der 10-Band-EQ auf den Ausgängen. In Sälen mit dröhnendem Bass oder in Zelten ließ sich das Signal bisher nur über den Mixer-EQ oder ein externes Gerät bändigen, jetzt geht das je Ausgang getrennt, der Booth-Weg bleibt davon unberührt. Drittens die Anti-Feedback-Funktion auf beiden Mikrofonkanälen, die bei Reden und Ansagen mit wandernden Rednern das gefürchtete Pfeifen abfängt.
Zwei praktische Hinweise gehören ebenfalls dazu. Durch die 3,2 Zentimeter mehr Breite passen Flightcases und Decksaver-Abdeckungen des Prime 4 und Prime 4+ nicht mehr, hier ist neues Zubehör fällig. Und Engine-DJ-Bibliotheken vom alten Gerät lassen sich weiterverwenden, der Umstieg verlangt also keine neue Vorbereitung der Musik.
Preis und Verfügbarkeit
Der Denon DJ PRIME 4 G2 ist seit dem 1. September 2026 über autorisierte Denon-DJ-Händler und den Musikfachhandel erhältlich, die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 2.699,99 Euro (2.599 US-Dollar, 2.299,99 Britische Pfund). Der Prime 4+ bleibt vorerst im Handel und dürfte im Abverkauf im Preis sinken. Wer mit dem Umstieg liebäugelt, findet im Beitrag Denon DJ SC LIVE 4 vs. PRIME 4+ die Einordnung der bisherigen Modelle und in unserem Bericht zu Engine DJ 5.0 den Stand der Software, mit der auch der G2 ausgeliefert wird.
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