DJ NEWS

Howler im Test

· Stefan Kietz

Howler Audio Recorder und Streamer auf dem X1850 von Denon DJ
Wie lange haben wir uns das gewünscht? Ein kleines Kästchen zwischen Mixer und Anlage, dass dein gesamtes Set aufnimmt, auch dann wenn du nicht an einem DJ Controller mit recording Funktion stehst. Egal ob CDJ, Technics oder SC setup, Howler nimmt es auf. 

Worum geht es?

Wer seine Sets mitschneiden will, hat meist zwei Optionen: den Laptop mitschleppen oder auf die Aufnahmefunktion der DJ-Software hoffen. Beides ist im Club oder auf einer Hochzeit nicht immer praktisch. Genau hier setzt der Howler an.

Hinter dem Gerät steckt Howler Audio, ein kleines Start-up aus Rotterdam. Finanziert wurde der Recorder per Crowdfunding auf Kickstarter. Das Konzept ist bewusst reduziert: Signal rein, Signal durch, Aufnahme auf microSD-Karte. Dazu kann die Box als USB-Soundkarte und Streaming-Interface dienen.

Howler Recorder angeschlossen


Ausstattung und Anschlüsse

Schon beim Auspacken fällt auf: Der Howler ist klein. Mit 88 x 63 x 28 mm und 128 g passt er in jede Jackentasche. Das schwarze Metallgehäuse wirkt robust und macht auch den Alltag im Plattenkoffer mit.

Die Bedienung beschränkt sich aufs Nötigste. Oben sitzt ein großer Record-Taster mit Leuchtring, der während der Aufnahme blinkt. Daneben gibt es eine Akku-Taste und zwei LEDs. Ein Schieberegler wählt den Modus: WAV, MP3 mit 320 kbit/s oder Transfer/Stream.

Merkmal Howler Recorder + Streamer
Eingänge 2 x Cinch (Line)
Ausgänge 2 x Cinch „Out (Thru)“ zum Durchschleifen
USB USB-C (Laden, Soundkarte, Streaming)
Aufnahmeformate WAV oder MP3 (320 kbit/s), 24 Bit / 48 kHz
Speicher microSD-Karte (FAT32)
Max. Aufnahmelänge WAV ca. 3,5 Std. (4 GB), MP3 ca. 40 Std.
Akku Li-Ion, laut Hersteller ca. 20 Std.
Maße / Gewicht 88 x 63 x 28 mm / 128 g

Was fehlt: ein Kopfhörerausgang, ein Mikrofoneingang und eine Pegelanzeige. Auch Kabel, Speicherkarte und Gummifüße liegen nicht bei. In der schlichten Pappschachtel finden wir nur das Gerät, einen QR-Code zur Anleitung und eine Dankeskarte der Gründer.

Howler Recorder und Streamer Gerät mit angeschlossenen Audiokabeln auf DJ-Mischpult, Vorderansicht


In der Praxis

Die Inbetriebnahme dauert keine Minute. Wir haben den Howler per Cinch an den Record-Ausgang unseres Mixers gehängt, die microSD-Karte eingesteckt und auf den Knopf gedrückt. Das war's. Die Aufnahme lief zuverlässig und ohne Aussetzer durch.

Praktisch ist der Thru-Ausgang. Damit lässt sich der Howler auch direkt zwischen Mixer und Endstufe schalten, wenn kein separater Record-Out frei ist. Weil der Akku mehrere Sets am Stück schafft, brauchen wir vor Ort keine Steckdose.

Am Rechner meldet sich die Box im Transfer-Modus als externes Laufwerk. Die Dateien ziehen wir einfach rüber, ohne die Karte herauszunehmen. Im Stream-Modus arbeitet der Howler als USB-Soundkarte an Laptop oder Smartphone. So lässt sich ein Set auch live ins Netz schicken. Am Smartphone braucht es dafür allerdings einen passenden Adapter.

Zwei Dinge sollte man wissen. Erstens: Der Howler hat keine Eingangsverstärkung. Der Pegel muss also schon am Mixer stimmen. Eine einzelne LED zeigt nur grün oder rot, ein echtes Meter gibt es nicht. Zweitens: Bei der Speicherkarte ist der Howler wählerisch. Der Hersteller empfiehlt Karten von Kingston (Class 10, U1, V10, A1) und rät ausdrücklich von SanDisk Ultra und Pro ab.

Was uns gefällt – und was nicht

Pro

  • Sehr kompakt, robustes Metallgehäuse
  • Ein-Knopf-Bedienung ohne Rechner
  • Aufnahme in WAV (24 Bit / 48 kHz) oder MP3
  • Akkubetrieb für mehrere Sets
  • Thru-Ausgänge zum Durchschleifen
  • Nutzbar als USB-Soundkarte und Streaming-Interface

Contra

  • Kein Kopfhörerausgang zum Abhören
  • Keine Gain-Regelung, nur Line-Pegel
  • Nur eine LED statt Pegelanzeige
  • Keine Split-Funktion für neue Dateien während der Aufnahme
  • Empfohlene microSD-Karte schwer zu bekommen
  • Kein Zubehör im Lieferumfang


Gerät Speicher Streaming Eingänge Gewicht Preis (UVP)
Howler Recorder + Streamer microSD ja Line (Cinch) 128 g 179 €
Reloop Tape 2 microSD nein Line (Cinch) 85 g 189 €
IK Multimedia iRig Stream iPhone ja Line (Cinch), Mic/Inst 146 g 95 €
Zoom H2n microSD nein Line (Miniklinke), Mic 130 g 159 €

Fazit

Der Howler macht genau das, was er soll: Er nimmt DJ-Sets zuverlässig und in guter Qualität auf, ohne dass wir uns um Laptop, Software oder Steckdose kümmern müssen. Soundkarten- und Streaming-Funktion sind ein willkommener Bonus. Einen Kopfhörerausgang zum Gegenhören hätten wir uns trotzdem gewünscht, ebenso eine richtige Pegelanzeige.

Mit rund 179 Euro ist der Howler kein Schnäppchen. Wer aber regelmäßig seine Sets mitschneiden will und es dabei so simpel wie möglich mag, bekommt ein durchdachtes Werkzeug für die Hosentasche. Von uns gibt es eine klare Empfehlung.

Erhältlich ist der Howler direkt über die Website von Howler Audio.

Howler Gerät auf DJ-Mischpult mit Potentiometer und Anschlüssen, Detailaufnahme


Kommentare (1)

  • DJ EmjayMitglied

    hab den auch im Einsatz um meine Sets aufzunehmen, gutes Gerät und easy zu nutzen.

Kommentar schreiben

Als Mitglied anmelden

Gast-Kommentare erscheinen nach Bestätigung und Prüfung durch die Redaktion.

Weiterführende Beiträge

Einlesen der Mediathek bei TruffleBlog

Software

Truffle im Praxistest: Ordnung in der DJ-Bibliothek

Kurz gesagt: Truffle räumt Metadaten in DJ-Bibliotheken schnell und zuverlässig auf und lässt dabei Cues, Beatgrids und Crates in Ruhe. Bei exklusiven Edits und Mashups stößt die...

· Stefan Kietz

DJ mit Kopfhörern und Laptop an Mischpult in Club, tanzende Menschen im HintergrundBlog

Branche · Business

Jeder kann DJ !?

Ist es realistisch oder nur ein Game? Zumindest kannst du bei diesem Game testen, wie du deine Karriere aufbauen kannst unter dem Motto "Jeder kann DJ" Unter dem Namen LIFE LIKE A...

· Lutz Scheffler

Mehr aus Blog

Schallplattenhülle Dancing Queen: Vier Bandmitglieder mit Hüten vor dunklem HintergrundBlog

Musik

50 Jahre ABBA „Dancing Queen“

ABBA feiern 50 Jahre „Dancing Queen“ mit exklusiver 10″ Vinyl-Neuauflage Egal ob 50 oder „young and sweet, only seventeen“ – „Dancing Queen“ von ABBA gehört zu den größten und...

· Lutz Scheffler