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Simply The Best – The Classics: „Fantasy Girl“ von Johnny O

· Lutz Scheffler

Simply The Best – The Classics: „Fantasy Girl“ von Johnny O

„Fantasy Girl“ von Johnny O.

Willkommen zur fünften Ausgabe unserer Kolumne! Nachdem wir in den vergangenen Teilen mit Dr. Alban, Kool & The Gang, Bon Jovi und Pur durch verschiedenste Genres und Jahrzehnte gereist sind, schlagen wir heute ein Kapitel auf, das im Herzen der lateinamerikanisch geprägten Clubkultur der späten 80er Jahre wurzelt. Es geht um einen Track, der das Genre des Latin Freestyle wie kaum ein anderer definiert hat und bis heute ein absoluter Garant für Gänsehaut und volle Tanzflächen ist: „Fantasy Girl“ von Johnny O aus dem Jahr 1988.


Die Geschichte hinter dem Hit

Wir reisen zurück ins New York des Jahres 1988. In den Straßen von Brooklyn und den legendären Clubs der US-Ostküste brodelte ein neuer, aufregender Sound: Freestyle (auch bekannt als Latin Freestyle). Eine hochexplosive Mischung aus synkopierten Roland TR-808-Beats, schneidenden Synthesizer-Riffs und melancholischen, oft schmerzlich-sehnsuchtsvollen Vocals.


Mitten in dieser kreativen Blütezeit schloss sich der junge Sänger Juan Ortiz alias Johnny O mit den Songwritern und Produzenten Elvin Molina und Mickey Garcia zusammen. Die Vision war klar: Ein Song, der die melancholische Sehnsucht nach der einen, unerreichbaren Traumfrau („Fantasy Girl“) in ein hochenergetisches Club-Gewand kleidet. Die Original-Maxi erschien 1988 auf dem Kult-Label Micmac Records (Katalognummer MIC 504) und wurde in den Diskotheken von New York bis Miami sofort rauf und runter gespielt.


Ein Jahr später, 1989, lizensierte das deutsche Plattenlabel ZYX Music die Scheibe für den europäischen Markt. In den deutschen Discotheken entwickelte sich der Track rasch zum Kult-Hit. Die späte kommerzielle Wucht folgte allerdings erst Ende der 90er: Mit den Neuauflagen und Remixen von 1997 und 1998 stieg „Fantasy Girl“ schlagartig in die offiziellen deutschen Single-Charts ein. Bis heute ist der Song zudem eng mit der Tanzschul- und Line-Dance-Kultur verbunden (wo der zugehörige Tanz schlicht „Freestyle“ heißt) und erlebt durch Social-Media-Trends regelmäßig neue Renaissance-Wellen.

Der Künstler

Latin-Freestyle-Pionier aus Brooklyn


Johnny O (bürgerlich Juan Ortiz), dessen Familie Wurzeln in Puerto Rico und der Dominikanischen Republik hat, wuchs in Brooklyn auf. Die Kombination aus puerto-ricanischem Lebensgefühl, der rauen Energie des New Yorker Straßenlebens und der Leidenschaft für Musik prägte seinen gesanglichen Ausdruck nachhaltig.


Sein selbstbetiteltes Debütalbum Johnny O (1988) machte ihn über Nacht zu einer der Galionsfiguren des Genres. Neben Stevie B, Lisa Lisa & Cult Jam und den Cover Girls prägte er den emotionalen, oft melodramatischen Gesangsstil des Freestyle. 1990 legte er mit dem Song „Dreamboy / Dreamgirl“ (im Duett mit der Sängerin Cynthia) einen weiteren Billboard-Hot-100-Hit nach. Über die Jahrzehnte blieb Johnny O seiner Fangemeinde treu und steht bis heute regelmäßig weltweit auf den Bühnen von 80er- und 90er-Revival-Festivals.


DJ-Praxis: Wie man ihn einsetzt

„Fantasy Girl“ ist die geheime Zutat, wenn man ein 80er- oder Club-Classics-Set aus der Masse herausheben möchte. Er bedient sowohl den Nostalgie-Faktor der älteren Generation als auch den Tanztrieb der jüngeren Partygänger, die den Rhythmus aus Dance-Tutorials oder Clubs kennen.


Vorschlag für ein Set-Segment: Der Track entfaltet seine maximale Wirkung in einem gezielten Freestyle- & Synth-Pop-Block mitten in der Nacht, wenn die Crowd bereits in voller Bewegungsfreude ist.

Kombinieren mit: Kombinations-Idee: Spielt als Vorbereitung Stevie B – Spring Love oder Shannon – Let The Music Play. Der Übergang in „Fantasy Girl“ über das perkussive Intro setzt dem Segment die Krone auf. Als Nachfolgetrack eignet sich hervorragend Company B – Fascinated oder – für einen moderneren Twist – ein sattes Tech-House- / Electro-Bootleg des Songs, um die Energie auf 127 BPM schlagartig im Raum zu halten.

Fazit

„Fantasy Girl“ von Johnny O ist ein zeitloses Kulturgut des Latin Freestyle. Es vereint Leidenschaft, handwerkliche Synthesizer-Kunst der 80er und eine Mitsing-Garantie, die auch nach fast vier Jahrzehnten nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat. Ein unverzichtbares Tool für jeden DJ, der sein Publikum mit echter Club-Geschichte verzaubern möchte.


Bis zur nächsten Ausgabe von „Simply The Best“, wenn wir den nächsten Meilenstein der Musikgeschichte sezieren.


Viele Grüße, Nino

Musikredaktion / DJ ALLIANZ e.V.


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